Die Geschichte der Gemeinde Oberwiera

Zur Besiedlung der Gemeinde

Geschichte

Aktenmäßige Unterlagen fehlen aus den frühesten Jahrhunderten so gut wie vollkommen und nur wenig erfahren wir aus dieser Zeit.
Bekannt und nachgewiesen ist es, dass unsere Gegend jahrhundertelang von slawischen Völkerstämmen besiedelt war. Eine große Reihe von Orts- und sonstigen Bezeichnungen liefern uns den untrüglichen Beweis dafür.

Erst um das Jahr 1100 herum drang Wiprecht von Groitzsch, der Kolonisator unseres Gebietes, hierher vor, unterwarf die slawischen Ansiedler und brachte deutsche Kolonisten ins Land. Aus jener Zeit stammen eine große Reihe von Ortschaften, die schon an ihrem rein deutschen Namen als deutsche Siedlung erkenntlich sind.

Wiprecht von Groitzsch lebte von 1050 bis 1124. Außer Groitzsch, einem Ort an der Weißen Elster, besaß er große Ländereien an der Elbe, in der Lausitz und in Thüringen. Ihm gehörte auch der Waldabschnitt zwischen der Leina und der Mulde. Später, noch vor 1157, kam dieser in Besitz Barbarossas (Friedrich I. 1152-1197) und hieß seitdem der Königswald.


Das Wappen der Gemeinde Oberwiera

Geschichte

Die Dominanz der Landwirtschaft im Wieratal, an dessen Anfang drei Ortsteile der Gemeinde Oberwiera liegen, kommt im Wappen der Gemeinde zum Ausdruck, dessen hellbrauner Hintergrund den Ackerboden darstellen soll.
Im oberen Drittel des Wappens werden durch 6 Ähren auf blauem Erntehimmel die sechs Ortsteile der Gemeinde (Oberwiera, Niederwiera, Wickersdorf, Röhrsdorf, Neukirchen und Harthau) verkörpert.
In den beiden unteren Dritteln weisen die Landesfarben Sachsens (grün/weiß) und Thüringens (rot/weiß) auf die in unmittelbarer Nachbarschaft vorbeiführende Landesgrenze hin.
Bis 1928 gehörten große Flächen von vier Ortsteilen zu Thüringen, außerdem war rot/weiß auch die Farbe der Schönburger Grafschaft, zu deren Herrschaftsbereich auch Gemeindegebiet gehörte.
Die Wiera, die in unserer Gemeinde in mehreren Armen entspringt, dann nach Thüringen weiterfließt und unserem Tal seinen Namen gab, wird durch die blaue geschlängelte Linie in den beiden unteren Dritteln des Wappens dargestellt und somit die Heimatverbundenheit mit diesem Tal symbolisiert.
Die sechs Ähren für die sechs Ortsteile der Gemeinde schlagen sich auch im Gemeindesiegel nieder.


Entwicklung der Dörfer

Geschichte

Ortsbeschreibung von 1886
aus der “Geschichte der Kirchen und Schulen des Herzogthums Sachsen - Altenburg mit besonderer Berücksichtigung der Ortsgeschichte”
Niederwiera, gewöhnlich “die Wiere” genannt, liegt an der Altenburger-Waldenburger Chaussee, durchflossen vom Wierebach, welcher oberhalb des nahe gelegenen Oberwiera entspringt. Es liegt 2 1/2 Std. südöstlich von Altenburg, 1 Std. nordwestlich von Waldenburg, 2 Std. nördlich von Glauchau und 2 1/2 Std. südwestlich von Penig.
Im Jahr 1445 befanden sich hier 8 besetzte Höfe, und es wurden jährlich 1nßo. 49 gr. 6pf. in das Amt nach Altenburg gezahlt. Ende 1880 waren hier 213 Einwohner in 27 Häusern (darunter 3 Anspann- und Handgüter) und 42 Familien. Die Flur beträgt 179 ha 15 a mit 15.357 steuerpflichtigen und 1.820 steuerfreien Einheiten.
Harthau, in der Volkssprache “die Harth”, ist vom Kirchdorf 1/2 Std. entfernt und zählt 13 Feuerstätten, wovon nur ein Haus mit 10 Seelen nach Altenburg, die übrigen Güter und Häuser zum Königreich Sachsen gehörten, im Ganzen sind dermalen (1886) 101 Einwohner im Dorf. Die Flur, mit 17 Ackern altenburgischen Anteils, ist in Niederwiera eingerechnet.
Der deutsche Name des Ortes kommt von “hart” - Waldberg her, und es bedeutet eine in der Rodung an dem Fuße des Hart angelegte Ortschaft. Wie groß dieser Wald einst gewesen ist, lässt sich daraus schließen, dass zu den Dörfern der Parochie allein in dem altenburgischen Anteil noch etwa im Jahre 1840 über 268 Acker Holzboden gehörte, der nach 1848 fast ganz gerodet wurde.


Röhrsdorf, zu beiden Seiten der Wiera, 1/4 Std. vom Kirchort entfernt, hatte 1880 23 Häuser (darunter 4 Anspann-, 7 Handgüter und eine Mühle) und 149 Einwohner in 32 Familien. Die Flur beträgt 185 ha 71 a mit 18.123 Steuereinheiten. Der eigentliche Name ist Rüdigersdorf, 1445 Rüdigsdorf und zeigt, dass dieses Dorf eine deutsche Gründung ist, es waren hier in jenem Jahre 10 besetzte Höfe, und es wurden jährlich 2 nßo. Geschoss ins Amt zu Altenburg gezahlt.
Wickersdorf, in der Volkssprache “Wickschdorf”, zum Teil königlich sächsisch, von Niederwiera 1/4 Std. entfernt, hatte im Jahre 1880 in dem herzoglich-altenburgischen Anteil 13 Häuser, darin 13 Familien mit 81 (inklusive der sächsischen, 93) Einwohnern.


Die Flur ist 104 ha 95 a groß und mit 8.963 Steuereinheiten eingeschätzt. Auch dieses Dorf ist eine deutsche Anlage, nach seinem Gründer Wicker oder Wickram genannt, es hatte im Jahre 1445 erst 3 besetzte Höfe. Im Jahre 1870 gab es auf dem altenburgischen Anteil 2 Anspann-, 7 Hand- und 1 Gärtnergut, 3 Häuser und eine Ziegelei.


Im Jahre 1522 waren hier Irrungen zwischen dem kurfürstlichen Amte Altenburg und Ernst von Schönburg, Herrn zu Waldenburg, unter dessen Gericht damals der andere Teil des Dorfes stand, entstanden “wegen ains Born, den ain Bauer vf der gemein gegraben vnd aufgericht”.
Neukirchen, in der Volkssprache “Naukerchen”, das von Niederwiera 1/2 Std. entfernte Filialdorf, ist zur größeren Hälfte königlich-sächsisch, zur kleineren Hälfte herzoglich-altenburgisch.
Der sächsische Anteil, mit der Kirche, hat 4 Anspann-, 6 Handgüter, 1 Gartengut und 3 Häuser, der altenburgische 2 Anspann-, 6 Handgüter und 2 Häuser.


Der durch Neukirchen fließende Bach bildet die Grenze zwischen beiden Territorien. 1880 waren im sächsischen Anteil 76, im altenburgischen 65 Einwohner. Die Flur ist 107 ha 71 a groß und mit 9.202 Steuereinheiten eingeschätzt. Hier, in Newenkirch, befanden sich 1445 6 besetzte Höfe, es wurden 40 gr., darunter 8 gr. von Wiesen, in das Amt in Altenburg gezahlt.
Eine Beschreibung von Oberwiera ist in diesem Buch von 1886 nicht vorhanden, es sind nur die thüringischen Ortsteile erwähnt worden.


Urkundliche Ersterwähnungen unseres Heimatortes

Geschichte

Die Zuordnung eindeutiger Erstbelege zu Ober- und Niederwiera erweist sich als ausgesprochen schwierig, da die zur Unterscheidung notwendigen Bestimmungswörter erst im 14. Jahrhundert, im Falle Niederwiera erst im 16. Jahrhundert überliefert sind.
Die Besiedlung, nach den Orts- und Flurformen zu urteilen, ist in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts erfolgt.
In einer Urkunde des Burggrafen Erkebert von Starkenberg aus dem Jahre 1254, in der er das Dorf Crossen bei Zwickau an das Kloster Grünhain bei Schwarzenberg abtritt, wird als Zeuge mit genannt: Conradus de (von) Wira.
Der 1254 erwähnte “Conradus de Wira” nannte sich wahrscheinlich nach Oberwiera, wo sich vermutlich sein Herrensitz befand. Aus diesem Herrensitz dürfte sich das spätere Rittergut Oberwiera entwickelt haben.
Die erste ausdrückliche Nennung von Oberwiera mit der lateinischen Namensform “Superior Wira” stammt aus zwei Bedeverzeichnissen des Amtes Altenburg für Ostersonntag, nach dem damals gültigen julianischen Kalender am 31. März und Michalis am 29. September 1336. Diese beiden Beden waren über die üblichen jährlichen Abgaben hinausgehende außerordentliche Abgaben zur Deckung des Finanzbedarfs des damaligen Landesherren, Friedrich II. , auch der Ernsthafte genannt, Landgrafen von Thüringen und Markgrafen von Meißen. Oberwiera steht in beiden Fällen in der Liste noch ausstehender Zahlungen. Gründe dafür, warum die Zahlung damals nicht termingemäß oder vielleicht auch überhaupt nicht erfolgt ist, sind nicht bekannt.